SY YabYum


Rumpf, Deck & Segel
Unser Boot ist eine Reinke S10, also ein
Knickspanter aus Aluminium. Mit etwas über 10 Meter Länge, 3,5 Meter Breite und ca. 10 Tonnen Gewicht ist die Größe für 2 Leute OK, nicht berauschend, aber OK. Es ist ja immer so, auf See, wenn der Wind bläst und die Wellen sich aufbauen, wünscht man sich sein Boot so groß wie möglich, in der Werft aber, wenn es dann um kratzen und pinseln geht, kann es einem plötzlich nicht klein genug sein.

Was recht praktisch ist sind die beiden Kiele
(Kimmkieler) – damit kann man zwar nicht so gut am Wind fahren, dafür hat man wenig Tiefgang, in der Werft steht man absolut sicher und wenn keine Werft da ist, kann man auch mal an einem flachen Strand trockenfallen, um kleinere Reparaturen zu machen oder eine neue Lage Antifouling zu pinseln.

Vom Rigg her ist sie eine Slup – das heißt, sie hat nur einen Mast. Je nach Windrichtung und Stärke verwenden wir ein Großsegel (28m2) mit 2 Bindereffs, eine Genua (45m2), einen Blister (95m2), eine Fock (28m2) und eine Sturmfock (8m2). 
Da wir normalerweise warten bis das Wetter für unsere nächste Fahrt passt, fahren wir sehr oft mit der Standardbesegelung von Groß und Genua. Auf Langstrecken, wo der Wind oft tagelang von hinten kommt, segeln wir aber meist mit einem oder zwei ausgebaumten Vorsegeln (also zB Genua und Fock).


Wir haben ein Mittelcockpit – das kostet zwar unter Deck einiges an Platz (von dem man auf einem 10m Boot immer zu wenig hat) aber auf See sitzt man wunderbar sicher und trocken fast in der Mitte vom Boot.
Das Steuerrad ist dabei an der Salonwand – wenn man, so wie wir, hauptsächlich mit Auto- oder Windpilot unterwegs ist, ist das von Vorteil, da man so viel Platz im Cockpit gewinnt.
Mit dem jetzigem Dach sind wir dagegen nicht wirklich zufrieden - bei Regen oder Seegang gibt es zu wenig Schutz und man wird immer wieder nass. Wenn die Sonne scheint braucht man immer noch ein Stoffdach, um sich etwas Schatten zu machen. Wir sind gerade dabei uns ein besseres Dachsystem auszudenken, aber das dauert wohl noch ein bisschen, bis das was wird.




Unter Deck
Unter Deck haben wir insgesamt 5 Kojen, eine Doppelkoje im Bug, eine Einzelkoje im linken Vorschiff (da schlafen wir auf See – immer abwechselnd) und 2 Einzelkojen in der Achterkabine. Letztere fungieren hauptsächlich als Stauraum und werden nur für Besucher als Kojen verwendet.
Der Küche- Salon-Bereich ist als Decksalon gebaut, das heißt, wenn man in der Küche steht oder am Tisch sitzt, kann man bei den Fenstern raus sehen. Man sitzt also nicht wie bei vielen Booten im Keller, sondern hat die Umwelt immer im Blickfeld. Das ist besonders am Ankerplatz sehr wichtig, man sieht sofort ob der Wind dreht, ob der Anker rutscht oder ob man Besuch bekommt.
Gekocht wird bei uns mit Petroleum. Unser Herd hat 3 Kochstellen und ein Backrohr mit jeweils einem Optimus Brenner (die man leider fast nicht mehr bekommt!) und einen 3 Liter Drucktank für das Petroleum.
Wir haben auch einen Kühlschrank, der das Bier schön kühl (kalt wäre eine Übertreibung) hält und dafür sorgt, daß unseren Batterien nicht langweilig wird. Mit etwa 6A Verbrauch und einer Einschaltdauer von ca. 50% ist das unser größter Verbraucher an Bord, deswegen schalten wir ihn über Nacht auch immer ab.

Technik
Energiesparen ist generell ein sehr wichtiges Thema, wenn man auf einem Schiff lebt. Unsere gesamte Beleuchtung (auch Navigationslichter) funktioniert schon mit LED Leuchten, neue Computer und Navigationsgeräte werden immer mit einem Blick auf den Energieverbrauch angeschafft. Alles was nicht gebraucht wird, wird rigoros abgeschaltet (wenn Heinz es nicht vergißt).
Unsere Energie beziehen wir größtenteils aus 2 Solarzellen (zusammen ca. 200W) und einem Windgenerator (Air Marine 403). Damit laden wir unsere beiden Hausbatterien (zusammen etwa 360Ah) und wenn nötig auch die Starterbatterie des Motors. Das geht sich meistens recht gut aus und wir müssen nur sehr selten den Motor laufenlassen, um die Batterie zu laden. Nur wenn es mal 2 Tage keine Sonne gibt und auch der Wind für den Windgenerator nicht ausreicht, muß die Lichtmaschine ran.
Die Lichtmaschine hängt übrigens an unserem Dieselmotor, ein OM616 von Mercedes. Der ist schon sicher 30 Jahre alt, und im Vergleich mit moderneren Schiffsmotoren auch groß, schwer und laut, aber er hat auch seine Vorzüge. Damals hat man die Dinge noch so gebaut, daß sie sehr lange halten und wenn sie trotzdem mal kaputt gehen, kann man mit normalem Werkzeug und Wissen noch was reparieren. Im Großen und Ganzen macht er uns sehr wenig Probleme und das ist das Beste, was man über seinen Bootsmotor sagen kann.
Dann haben wir noch eine Ankerwinsch (Lofrans Tigres) mit 80m 10mm Kette, einem 25kg Bügelanker und 2 Reserveanker mit je 20kg, mit jeweils 10m Kettenvorlauf. Wenn jetzt jemand sagt, das ist ja viel zu viel und viel zu schwer für so ein kleines Boot, dann kann ich dazu nur sagen, daß man dafür besser schläft, wenn am Ankerplatz wieder mal der Wind durch die Gegend tobt und alles heult und singt. Ich weiß nicht, wie oft wir schon gesehen haben, daß Boote bei etwas mehr Wind ins Rutschen gekommen sind – den Stress wollen wir uns einfach ersparen und deswegen ist das Ankergeschirr eher eine Nummer zu Groß ausgefallen.
An Elektronik für die Navigation haben wir
  • einen GPS und einen Laptop mit den Seekarten (OpenCPN)
  • ein LOT mit Fishfinder-Funktion um Ankergründe beurteilen zu können
  • ein Radargerät, das wir ungefähr nie brauchen (ich glaube 3x in den letzten 6 Jahren)
  • einen elektronischen Autopiloten – inzwischen eigentlich zwei, wenn wir den Pilotino dazu zählen – wir steuern eigentlich nur bei Hafen- und Ankermanövern oder bei sehr rauer See von Hand. Nachdem die normale Steuerung per Seilzug funktioniert und der Autopilot hydraulisch am Ruderquadranten angreift, sind die Steuersysteme unabhängig voneinander, das Versagen eines Systems führt also nicht zum Ausfall des anderen.
  • ein UKW-Funkgerät mit AIS Ausgang – die AIS Information wird am Laptop und am GPS angezeigt.
  • ein SSB-Funkgerät mit Pactor Modem um auch auf See GRIB-Files und e-Mails empfangen zu können.
Was an Bord natürlich auch nicht fehlen darf, ist vernünftiges Werkzeug. Wir haben auch hier eher zu viel als zu wenig, aber es hat uns schon aus so mancher Patsche geholfen. Bei uns kommt zum üblichen mechanischen Werkzeug noch ein 50 Liter Sack mit all meinen elektrischen und elektronischen Werkzeugen dazu.

Dinghy
Zu guter Letzt erzähle ich noch etwas über unser Dinghy. Als wir das Boot vor ca. 10 Jahren gekauft haben, war ein Faltboot dabei. Die Dinger sind sehr gute Beiboote, sie gehen nicht kaputt, wenn man mal gegen was scharfes stößt, sind für ihre Größe unglaublich leicht und ausreichend stabil. Auch dass man es in 5 Minuten auf- oder abbauen kann und im zerlegten Zustand doch einiges an Platz sparen kann, sorgt auf einem kleinen Boot für viel mehr Platz auf dem Vorschiff. Wir hätten es wahrscheinlich immer noch, wenn, ja wenn die Sonne nicht die Klappgelenke zerstört hätte, also das Gummimaterial zwischen den Platten und das ist auch nicht so einfach zu reparieren.
Als nächstes hatten wir dann ein 10 Jahre altes aufblasbares Dinghy aus Hyperlon mit festem GFK Kiel. Auch nicht schlecht, aber die Jahre oder besser gesagt die Sonne hatten ihre Spuren hinterlassen und wir waren am Ende jede Woche am Basteln, weil wieder irgendwo eine Klebenaht aufgeplatzt war. 
 
In Panama ist die Dinghyfrage dann wirklich akut geworden, wir hatten immer mehr Probleme, aber ein neues war dort einfach zu teuer.
Deswegen sind wir dann unter die Heimwerker gegangen und haben unser jetziges Dinghy aus Fiberglas gebaut und sind bisher sehr zufrieden damit. Es ist vom Gewicht mit etwa 50kg noch nicht zu schwer, es ist fast so stabil wie ein aufblasbares, es ist sehr unempfindlich gegen scharfe Kanten und Korallen, es ist unsinkbar, es rudert sich gut und es ist vor allem immer und überall leicht zu reparieren. Wir basteln zwar immer wieder etwas daran rum, mal eine neue Bank, mal die Nase um 3cm gekürzt, … aber im Großen und Ganzen sind wir sehr zufrieden damit und werden es hoffentlich noch viele Jahre haben.






Kommentare:

  1. Hallo zusammen
    Was für einen Aussenborder habt ihr? 2-takter oder 4-takter? was eignet sich besser?

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    1. Wir haben einen 2PS Zweitakter. Der ist sicher nicht der schnellste oder modernste Motor, aber er hat nur 10 Kilo und damit kann man ihn mit nur einer Hand auf die Reling hängen, er ist also in Nullkomanix angebaut oder wieder verstaut.
      Für normale 'Beibootaktivitäten' (98% aller Fälle) ist der 2PS Motor auch in jeder Hinsicht ausreichend. Nur wenn wir ab und zu mal Tauchen fahren und der Tauchplatz weiter weg ist, dann wünschen wir uns etwas Stärkeres mit dem man auch ins Gleiten kommt - aber wie gesagt, das kommt nicht so oft vor.

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